Satiremagazin schön und gut, aber gibt es überhaupt einen Markt dafür in Österreich? Daran will ich nicht nur glauben, sondern auch mit Zahlen untermauern. Wie macht man das aber, wenn es in Österreich momentan kein Satiremagazin und damit entsprechende Daten gibt? Man schaut beispielsweise ins benachbarte Ausland, konkret nach Deutschland und der Schweiz.
In Deutschland gibt es mit den Satiremagazinen Titanic und Eulenspiegel zwei bundesweit monatlich erscheinende Satiremagazine. Ein drittes - Pardon! - hat Anfang 2007 wieder mal sein Erscheinen eingestellt. In der Schweiz gibt es mit dem 134 Jahre alten Nebelspalter das zugleich älteste noch erscheinende Satiremagazin der Welt. Zu allen drei im deutschen Sprachraum erscheinenden Satiremagazinen fand ich durch einfache Recherche im Internet die Verkaufszahlen. Hier die Zahlen, die ich zugleich auf die deutschsprachige Bevölkerung der Länder heruntergebrochen habe.
| Satiremagazin | Druckauflage | Abonnements | Verkauft | deutschsprachige Einwohner | Quelle |
| Titanic | 100.000 | 20.00 | 60-70.000 | 80 Mio | [1] |
| Eulenspiegel | 136.000 | 50.100 | 100.400 | 80 Mio | [2] |
| Nebelspalter | 20.000 | 17.000 | nicht verfügbar | 4,6 Mio | [3] |
| Rappelkopf (ab Oktober 09) | 10.000 | 8 Mio |
Das ergäbe bei ähnlichem Leserinteresse für Österreich ein Potential zwischen 17.000 und 30.000 verkaufbaren Exemplaren und eine Abonnentenzahl zwischen 7.000 und 30.000. Nicht schlecht eigentlich, unter der Berücksichtigung, dass beispielsweise ein Monatsmagazine wie Datum, das zwar keine Satire aber möglicherweise eine ähnliche Leserschicht hat, mit 1.800 zahlenden Abonnenten und einer Auflage von 10.000 Stück, profitabel ist.
Als weiteres habe ich Kabarettbesucher und die Besuchszahlen in den heimischen Kabarettlokalen herangezogen. Nicht alle Zahlen sind verfügbar, aber so hatte das Kabarett Simpl alleine in der Saison 2004/05 67.004 Besucher1)2)3). Schätzungsweise gab es in ganz Österreich 250.000 Kabarettbesucher. Und besonders Filme mit heimischen Kabarettisten zählten in den letzten Jahren zu den bestbesuchten Filmen, teilweise mit mehr als 1 Million Kinobesucher.
Die Pilotnummer von Rappelkopf vom Mai 2008 gibt auch eine gute Annäherung, wie hoch das Potential sein könnte. Die einzige Werbung erfolgte über die Website selbst und durch den Emailverteiler von Kabarett.cc, in dem 4.000 Abonnenten eingetragen waren. Der Vertrieb in den heimischen Trafiken. Insgesamt verkautfe sich Rappelkopf mehr als 1.200 mal. Mit besserer Werbung, mehr Buzz und Erwähnung in anderen Printmedien wäre vermutlich bedeutend mehr rauszuholen gewesen.
Natürlich sind diese Zahlen nur eine Annäherung und mit kaufmännischer Vorsicht zu genießen. Im Finanzplan rechne ich mit wesentlich niedrigeren Zahlen: bei einer Startauflage von 10.000 Stück erwarte ich, dass pro Ausgabe 3.000 Stück verkauft werden, zuzüglich Abonnements. Nach fünf Jahren sollten sich die Zahlen bei 4.500 verkauften Exemplaren im Einzelhandel und 2.000 Abonnenten einpendeln, insgesamt also 6.500 Stück. Diese Zahlen liegen weit unter dem oben gezeigten Potential bei Vergleich mit Deutschland und der Schweiz, erhalten aber bei sparsamen Berechnungen schon einen gewinnbringenden Verlag. Sollte mir das Glück hold sein und die
Österreicher ähnlich auf ein Satiremagazin abfahren, wie die Deutschen und Schweizer, dann ist Raum für sehr viel Spass. Wär zu schön...
Quellen:
1)http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/kultur/theater_und_musik/021281.html
2)http://209.85.165.104/search?q=cache:BNlRbnq-DVgJ:www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/kultur/theater_und_musik/021288.html+kabarett+statistiken&hl=de&ct=clnk&cd=2&gl=us&client=firefox-a
3)http://www.statistik.at/web_de/static/besuche_weiterer_theater-_und_konzertbuehnen_nach_werkkategorie_kartenverk_021288.pdf










